Karsamstag: Geburtstag der Unio – com-unio
     Wir haben gelernt, wie Vögel zu fliegen, wie die Fische zu schwimmen. Doch haben wir die einfache Kunst verlernt, wie Brüder zu leben (Martin Luther King)

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Nächste Termine 

Agapefeier an Gründonnerstag
2. April, ab 21:30 Uhr 


Offene Treffen, jeweils
Sonntag um 19:00 Uhr:


26. April 2026

23. Mai 2026
Königin der Apostel


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VP Gründung der UAC 4

Am 9. Januar 1835 hält Pallotti in seinem Tagebuch fest, dass Gott ihn zu einem Werk beruft, das dem Apostolat, der Sendung der Kirche, dienen soll. Die persönliche Erfahrung von Gottes unendlicher Liebe und Barmherzigkeit hatte den Blick des römischen Priesters für die Nöte seiner Zeit geschärft und drängte ihn nun, darauf zu antworten. Wie seine Gefährten bezeugten, handelte es sich dabei nicht um eine mystische Offenbarung, sondern um ein inneres Gewisswerden. Pallottis Apostolatswerk ist denn auch, so betonten seine Gefährten, „im Gebet geboren".

Im Jahr 2026 fällt der Gründungstag der Vereinigung, der 4. April, auf den Karsamstag – auf jenen Tag der Grabesruhe, an dem die Kirche fastend und betend zwischen Kreuz und Auferstehung verweilt, ohne Eucharistie, in Stille und Leere. Diese Koinzidenz ist mehr als ein kalendarischer Zufall: Sie scheint Pallottis Gründungsimpuls auf eingängige Weise zu entsprechen.

Die Grundidee: Das Apostolat aller Getauften

Das Herzstück von Pallottis Vision war eine Einsicht, die im kirchlichen Kontext seiner Zeit einer frontalen Provokation gleichkam: Das Apostolat ist nicht allein Aufgabe und Kompetenz der Priester, sondern aller Getauften. Er war darüber hinaus überzeugt, dass nicht nur die Getauften, sondern alle Menschen als Ebenbilder Gottes berufen sind, sich aktiv für das Heil des Nächsten einzusetzen - so wie für das eigene. Damit stellte Pallotti das ekklesiologische Grundverständnis seiner Zeit grundlegend in Frage. Unter „Apostolat" verstand man damals nahezu ausschließlich das hierarchische Apostolat. Gegen diesen Einwand verfasste Pallotti eigens eine theologische Verteidigung des von ihm gewählten Namens – eine Schrift, die als erste grundlegende Abhandlung über das Recht des Laien auf apostolisches Wirken in der neueren Kirchengeschichte gilt.

Die historische Motivation

Pallottis Gründungsimpuls war unlösbar mit der Not seiner Zeit verbunden. Als "Volksmissionar" erkannte er, dass angesichts der heraufziehenden Umbrüche in Europa Laien und Priester gemeinsam den Verkündigungsdienst leisten müssen. Der Priester litt unter der sozialen und geistig-geistlichen Not Roms und vertrat die Überzeugung, dass es die Aufgabe jedes Christen ist, das Evangelium in jedem Beruf und in jeder Lebenssituation glaubwürdig zu bezeugen. Während die Französische Revolution die Bürgerrechte entdeckte, entdeckte Pallotti gleichsam die „Christenrechte". Seine Gründung fiel in eine Zeit kirchlicher Schwellenerfahrung: Die alte Ordnung war zerbrochen, die gesellschaftliche Stellung der Kirche bedroht. In dieser Stunde des Nicht-mehr und Noch-nicht – eine Sitaution, die in mancher Hinsicht dem Karsamstag ähnelt – entstand die Vision eines apostolisch erneuerten Gottesvolkes.

Die Vision: Ein gemeinschaftliches Apostolat

Der Name war Programm: Pallotti bezeichnete das von ihm beschriebene Werk als „Katholisches, das heißt allgemeines Apostolat für jedermann". Dieses universale Apostolat sollte dazu dienen, den Glauben in der ganzen Welt zu verbreiten, ihn unter den Katholiken zu beleben und zu vertiefen sowie durch Werke der Liebe allen Menschen zu helfen, den Gott unendlicher Liebe im Menschen zu erkennen. Pallotti wollte, dass die Vereinigung weltweit „wie eine Posaune des Evangeliums alle ruft, alle einlädt und den Eifer und die Liebe aller Gläubigen" weckt. Zugleich bedeutet dieses Apostolat immer auch ein Hinabsteigen: zu den Armen, den Gefangenen, den Ausgegrenzten, zu den Rändern der Gesellschaft und der Kirche. Darin berührt es jene Bewegung der Katabasis, die die Karsamstagstheologie im Abstieg Christi in das Reich des Todes meditiert – das Wirken Gottes dort, wo er scheinbar abwesend ist.

Gemeinsam statt allein - eine echte Innovation

Ein weiteres Grundmotiv war Pallottis Überzeugung, dass apostolisches Wirken nur in organisierter Gemeinschaft nachhaltig fruchtbar werden kann. In seinen eigenen, berühmten Worten: „Vernunft und Erfahrung beweisen, daß das Gute, das vereinzelt getan wird, spärlich, unsicher und von kurzer Dauer ist, und daß selbst die hochherzigsten Bemühungen einzelner zu nichts Großem führen, wenn sie nicht vereint und auf ein gemeinsames Ziel hingeordnet sind." Neu war dabei die Idee einer strukturierten Zusammenarbeit von Laien und Klerikern, Bischöfen und Priestern, Ordensleuten beiderlei Geschlechts sowie Eheleuten, Witwen und Alleinstehenden. Eine solche Gemeinschaft, in der Laien sogar Leitungsverantwortung übernehmen konnten, galt der kirchlichen Obrigkeit bald als anmaßend.

"Unzeitgemäß"

Pallotti war mit seiner „Entdeckung" für die damalige Kirchenordnung unerhört und seiner Zeit um mehr als hundert Jahre voraus. Das Zweite Vatikanische Konzil jedoch hat die Grundsätze der Zusammenarbeit von Laien und Klerus schließlich als normative Grundlage der Kirche anerkannt. Papst Johannes XXIII. verehrte Vinzenz Pallotti als „heiligen Revolutionär", ließ sich von seinen Ideen für das Konzil inspirieren und erhob ihn zum Konzilspatron.

Das Wesen seiner Vereinigung wurde von den kirchlichen Zeitgenossen dessen ungeachtet nicht verstanden. Auch diese Umstände führten zur Gründung verschiedener, kirchenrechtlich besser fassbarer geistlicher Gemeinschaften: der Pallottiner und der Pallottinerinnen. Die volle kirchenrechtliche Anerkennung der ursprünglich angelegten Vereinigung (Unio) ließ bis 2003 auf sich warten. Auch darin zeigt sich eine karsamstägliche Signatur: ein Werk, das lange im Verborgenen reifte, unbemerkt und unverstanden, bevor es zur Entfaltung kommen konnte – wie das Weizenkorn, das vermeintlich tot in der Erde liegen muss, bevor es Frucht bringen kann.

Karsamstag


Warten und Wachen

Dass der Gründungstag der Unio im Jahr 2026 auf den Karsamstag fällt, ist theologisch einladend: vielleicht nicht unbedingt zur festlichen Überhöhung, sondern zur Besinnung auf das, was im Gründungsimpuls selbst angelegt ist. Die wahre Tiefe des Osterjubels ist ohne den Hintergrund des Tages der Grablegung und des Hinabsteigens Christi in das Reich des Todes gar nicht zu begreifen. Analog dazu lässt sich die Sendung der Unio nur von ihrer Verwurzelung im betenden Warten her verstehen. Das Apostolat, das Pallotti vorschwebte, speist sich nicht aus aktivistischem Tatendrang, sondern aus der Haltung des wartenden, wachenden Gottesvolkes – eben jener Haltung, die der Karsamstag liturgisch verkörpert. So könnte man sagen: Die Vereinigung des Katholischen Apostolates wurde nicht an einem Tag des Triumphes geboren, sondern in einer Zeit des radikalen Umbruchs – der Stimmung am Karsamstag ähnlich: wachend und hoffend.

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