Allein ... oder einsam? – com-unio

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P. Lutz Müller SJ:

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Gebetsanliegen

Jesus web


Wir bitten um Euer Gebet für Volker, der am 3.10. verstorben ist.

„Denn ich bin ganz sicher: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Dämonen, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch irgendwelche Gewalten, weder Hohes noch Tiefes oder sonst irgendetwas auf der Welt  können uns von der Liebe Gottes trennen, die er uns in Jesus Christus, unserem Herrn, schenkt.“
Römer 8,38–39

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Zur Einführung in ein vielschichtiges und bedeutsames Thema gab es einen kurzen Impulsvortrag. Mit dem Ziel, das Alleinsein besser zu verstehen – damit es möglichst nicht zur Einsamkeit wird.


Jede und jeder von uns kennt das, und doch kennt es jeder anders. Manche von uns sind allein, weil das Leben es so gefügt hat: weil ein geliebter Mensch gestorben ist, weil ein gemeinsamer Weg zu Ende ging, oder weil sich die große Begegnung nie ereignet hat. Manche haben das Alleinsein gewählt, als Teil ihrer Berufung. Und auch wer in Familie lebt, weiß: Man kann sich mitten unter Menschen allein fühlen. Keine dieser Geschichten ist besser oder schlechter als die andere. Aber jede verdient, ernst genommen zu werden – auch von uns selbst.

Gesprächsoase

Eine hilfreiche Unterscheidung sollte man sich dabei immer vor Augen führen: Alleinsein ist ein äußerer Zustand – Einsamkeit ist ein inneres Gefühl. Die beiden sind nicht dasselbe. Man kann viel allein sein, ohne einsam zu werden. Und man kann einsam sein in einem vollen Haus. Einsamkeit entsteht dort, wo die Verbundenheit fehlt, nach der wir uns sehnen – nicht dort, wo sonst niemand im gleichen Raum ist.

Und noch etwas ist wichtig: Einsamkeit ist weder ein Makel noch ein Versagen. Sie ist ein Signal – so wie Durst ein Signal ist. Der Durst sagt uns nicht, dass mit uns etwas nicht stimmt. Er sagt uns, dass wir etwas brauchen. Genauso sagt die Einsamkeit: Du bist ein Mensch, der für Beziehung geschaffen ist. Wer das so verstehen kann, muss sich für einsame Stunden nicht schämen – und kann anfangen, auf das Signal zu antworten, statt es zu überhören oder zu betäuben.

Wenn Einsamkeit also ein Signal ist, dann lautet die Frage: Wie antworten wir darauf? Ich nenne ein paar Gedanken, ganz praktisch. Es hilft, dem Alleinsein eine Gestalt zu geben: feste kleine Rhythmen im Tag, ein Spaziergang zur gewohnten Zeit, das Gebet am Morgen, der Anruf am Sonntag. Es hilft, Beziehungen zu pflegen, bevor die Not groß ist – so wie man einen Brunnen gräbt, bevor der Durst kommt. Und es hilft erstaunlich oft, gebraucht zu werden: Wer für andere da ist – und sei es in kleinen Diensten – erlebt sich als verbunden.

Dazu eine Ermunterung, die ich für besonders wichtig halte: Wir müssen nicht warten, bis andere sich melden. Viele von uns kennen diese stille Rechnung – „Wenn ich den anderen wichtig wäre, würden sie sich ja melden." Aber die anderen führen oft genau dieselbe Rechnung, und so warten zwei Menschen aufeinander, die sich beide freuen würden. Und wir dürfen auch die zweite Sorge getrost hinterfragen: dass wir ungelegen kämen, dass wir stören würden. Die Erfahrung – und übrigens auch die Forschung – sagt etwas ganz anderes: Überraschend viele Menschen sind hocherfreut, wenn jemand unangekündigt anruft, eine Karte schreibt oder vor der Tür steht. Wir unterschätzen fast immer, wie willkommen wir sind. Der spontane Anruf, der kleine Besuch, das „Ich habe an dich gedacht" – das sind selten Störungen. Meistens sind es Geschenke. Trauen wir uns also, solche Geschenke zu machen. Und wenn es doch einmal nicht passt, dann ist auch das keine Katastrophe – dann passt es eben ein andermal.

Nicht zuletzt darf man sich Hilfe holen, wenn die Einsamkeit schwer und dauerhaft wird. Auch das ist kein Versagen, sondern Selbstsorge.

Und der Glaube? Er nimmt uns das Alleinsein wohl nicht einfach ab – aber er verwandelt es. Die Psalmen kennen die Sprache der Verlassenheit: „Wende dich mir zu, denn ich bin einsam" – so betet schon der Psalmist. Wir dürfen unsere Einsamkeit also vor Gott bringen, unbeschönigt. Jesus selbst hat die Stille gesucht, in der Wüste, auf dem Berg – allein, und doch nicht verlassen. In seiner Nähe kann aus dem leeren Alleinsein eine bewohnte Stille werden: ein Ort, an dem mich einer sieht, auch wenn kein Mensch da ist. Und Vinzenz Pallotti würde wohl hinzufügen: Der Glaube bleibt nicht bei mir stehen. Er macht mich zum Glied einer Gemeinschaft, in der jede und jeder gebraucht wird – gerade auch die, die allein leben. Unsere Gemeinschaft hier und heute ist ein Stück dieser Antwort.

Darum soll es heute nicht darum gehen, gemeinsam zu klagen. Sondern darum, das eigene Alleinsein besser zu verstehen, gut für uns zu sorgen – und einander dabei zu helfen, dass aus Stille Verbundenheit wachsen kann.


Im anschließenden Gespräch über diese Dinge zeigte sich schnell, dass jeder mitreden konnte: Ein Thema aus dem Leben und dem Alltag. Die Schaffung offener bzw. öffentlicher Gesprächsangebote werde mit dem Hinweis abgelehnt, dass man dafür ja keinen Experten habe, um dieses Angebot zu betreuen - das wussten gleich zwei Anwesende zu berichten. Diese Begründung konnten wir in unserer Runde nicht teilen, denn eine Gesprächsoase sollte vielleicht gerade nicht den Anspruch der Lösungsfindung haben, sondern zum spontanen Smalltalk und unverbindlichen Kontakt einladen - nicht mehr. So wie das harmlose Gespräch an der Discounterkasse oder das solidarische Ausharren bei Verspätungen im Zugabteil. Hier tun kleine Gespräche einfach gut und schaffen das Gefühl, nicht allein zu sein. Manchmal reicht ganz wenig: Ein freundlicher Gruß an die Kassiererin ist kein Aufwand, und sie mit dem Namen auf ihrem Shirt anzusprechen, macht es sogar persönlich. 

Allein einsam

Was aber tun, wenn man einmal das ganz akute Bedürfnis hat, mit jemandem zu sprechen - auch über wichtigere Themen? Um die Hemmschwelle und eigene Unsicherheit zu überwinden, kann es durchaus hilfreich sein, es sich selbst etwas leichter zu machen. Etwa, indem man sein Gegenüber am Telefon gleich zu Beginn fragt, ob man gerade stört ... und, um sich ganz sicher zu sein, indem man um die Erlaubnis fragt, etwas erzählen zu dürfen. Die wenigsten Menschen werden sich hier verweigern - und können sie aus Zeitmangel nicht sofort zuhören, trifft man eine Verabredung, wann es besser passt. Wichtig scheint aber, sich nicht sofort entmutigen zu lassen, sondern sich auch ein weiteres Mal zu trauen. Natürlich kam der Einwand, dass man einem solchen Gespräch in einer echten Notlage des Anrufers auch Vorrang geben und eigene Vorhaben zurückstellen sollte - hier sind zwischenmenschliche Instinkte gefragt. 

Das Gespräch nahm einen interessanten Verlauf, indem auch deutlich wurde, dass die zunehmende soziale Vereinzelung und Isolation unserer Tage dazu aufruft, über seinen höchst eigenen Schatten zu springen und sich mit dem Alleinsein nicht abzufinden, nur weil es einfach und bequem ist. Die Bereicherung auch durch kleine, spontane Begegnungen kann einen ganzen Tag in anderem Licht erscheinen lassen. Auch dies eine Erfahrung, die wir in der Runde teilten.


Gott,

ich danke dir für diesen Tag
und für die Gemeinschaft, die du uns
miteinander und mit dir schenkst.

Ich danke dir für das Leben,
das du mir anvertraust,
für das, was war,
und für das, was vor mir liegt.

Du kennst mich,
auch dort, wo ich mich selbst nicht verstehe.
Du siehst, was in mir wächst,
und auch das, was noch Zeit braucht.

Danke, dass ich dir nie verborgen bin
und dass deine Nähe mich trägt –
auch dann, wenn ich mich allein fühle.

Schenke mir ein Herz,
das staunen kann,
das sich freuen lässt an den kleinen Dingen
und dankbar empfängt,
was jeder neue Tag bereithält.

Gib mir Mut für das, was vor mir liegt,
Geduld für das, was ich nicht ändern kann,
und Vertrauen
für alles, was noch offen ist.

Lass mich offen bleiben
für die Menschen, die du mir an die Seite stellst,
und schenke mir den Mut,
selbst den ersten Schritt zu tun.

Lass mich auf das Gute schauen,
das mir begegnet,
und bewahre in mir die Zuversicht,
dass jeder neue Morgen
ein Anfang sein kann.

Dafür danke ich dir.
Amen.


 

Gott, segne uns und sei uns nahe,
wenn wir allein sind und wenn wir Gemeinschaft erfahren.

Segne unsere Wege
und die Menschen, denen wir begegnen.

Schenke uns Menschen,
mit denen wir Freude und Sorgen teilen können.

Sei bei denen, die sich einsam fühlen,
und schenke ihnen Menschen, die ihnen guttun.

Segne unsere Gemeinschaft
und lass uns füreinander aufmerksam bleiben.

Schenke uns ein gutes Gespür füreinander
und die Bereitschaft, einander beizustehen,
wenn wir gebraucht werden.

Segne die Menschen, die uns nahestehen,
und auch jene, an die heute niemand denkt.

Schenke uns ein waches Herz
für die Menschen um uns herum.

Behüte und begleite uns auf allen unseren Wegen.

Lass uns immer wieder erfahren,
dass wir in deiner Liebe geborgen sind.

So segne uns der mitgehende Gott:
der Vater, Sohn und Hl. Geist
Amen.

Gebet & Segen: Claudia Schäfer

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